Rezension `99 und 1. Das Gleichnis`. Pfarrer Erich Ickelsheimer

„99 und 1“ so nennt Metropolit Volodymyr (Chayka) seine theologischen Reflexionen, die versuchen, eine Wegbeschreibung der Heimkehr der Menschen zu ihrem liebenden himmlischen Vater darzustellen.

Es ist ein Versuch des Ringens mit einer stark gefestigten und regulierten christlichen Religion und dem noch stärkeren Impuls des Jesus von Nazareth, der mit ganz einfachen Worten die Heilung des Einzelnen, aber auch des Menschengeschlechtes als dynamischen Prozess beschreibt. Die beiden Gleichnisse „vom verlorenen Schaf“ und „vom verlorenen Sohn“ sind dabei Bild und Hilfe für diesen Prozess.

Das 296 Seiten starke Buch, im Anaphoraverlag in Köln erschienen, lässt sich leicht lesen und offenbart durchgehend die Spannung zwischen traditioneller Kirchlichkeit und dem absoluten Vertrauen auf die Mitte des christlichen Glaubens, der in der Person Jesu Christi gründet.

Es ist kein Lehrbuch, es ist keine Kurzdogmatik, es ist einfach auf allen Ebenen des Lebens angewandter, gelebter und erfahrener Glaube, der dieses Buch dann sehr lebendig macht.

Es ist in drei Teile gegliedert, der erste Teil heißt „Die Rückkehr zu den Quellen“, der zweite „Historische Überlagerungen“, der dritte „Geheimnisse des Glaubens“.

Die Teile sind in etliche Kapitel gegliedert und werden wiederholend zusammengefasst, was die Lektüre erleichtert.

Die in Christus offenbarte Liebe zieht sich als Leitfaden durch das Ganze. Christus als Person ist etwas anderes als nackte dogmatische Definitionen. Der Autor versteht es, immer wieder auf den zentralen Punkt des Glaubens zu kommen, die Erfahrung des liebenden Vaters, die uns Christus vermittelt. Das Taborlicht des Hesychasmus fügt sich in diese Gotteserfahrung nahtlos ein, ohne dass es westlichen Lesern Probleme bereitet.

Die Konstantinische Wende wird in ihrer unterschiedlichen Auswirkung gedeutet, das ist sehr erfrischend. Die Konzilien der alten ungeteilten Kirche werden als geschichtlicher Prozess begriffen, die Dogmen als Schutzmantel für die Entwicklung des Glaubens gewürdigt, die ein sinnvolles Weiterfragen ermöglichen. Tradition ist dynamisch.

Der Autor führt mit sicherer Hand durch die unterschiedlichen Auffassungen des Glaubens in östlicher oder westlicher kirchlicher Tradition ohne das Verletzende, was beide Seiten gerne benutzen.

Metropolit Volodymyr ist Ukrainer der eigenständigen Kiewer (Kyiwer) Tradition, das Buch wendet sich an seine Gläubigen. So ist es natürlich verständlich, dass er die Geschichte der Ukrainischen Kirche in einigen Kapiteln darstellt.

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn deutet er als den Weg des Menschen vom Uranfang an, der Mensch verlässt die Gemeinschaft mit Gott, wird an und von der Welt krank und kehrt durch die Liebe Christi zurück in die Gemeinschaft mit dem liebenden Vater.

Die theologischen Probleme der sogenannten Erbsünde, der Rechtfertigung werden so leichter verständlich und für den modernen Menschen „verdaubar“.

Der Autor stellt sich vielen Fragen, wie ist das mit Reinkarnation, Unsterblichkeit, Sinn des Lebens, Leid, Kreuz und Auferstehung. In der Deutung des Lebens als Heimkehr zur Kindschaft mit all den Erfahrungen des Weges dazwischen sind gute Antworten verborgen.

Durch alles hindurch wird für den Metropoliten immer wieder das Antlitz Christi wichtig, der uns diesen Weg zurück zum liebenden Vater gewiesen hat.

Der Autor hat ein profundes Wissen der Vätertheologie, aber auch markanter Theologen wie Schmemann, Lossky, Afanasssjew.

Ich würde das Buch jedem am Geheimnis des christlichen Glaubens Interessierten an die Hand geben. Für mich sinnvoll wäre auch, es zur Grundlage von Exerzitien oder Einkehrtagen zu machen, es ist eine hervorragende, kurzgefasste Leitlinie des christlichen Glaubens und für den modernen Menschen eine gute Einführung.

Pfarrer Erich Ickelsheimer

Klagenfurt (Österreich), 05.06.2026

 

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Українська версія:

99 та 1: Притча. Богословська рефлексія / Митрополит Володимир (Чайка). — 1-е вид. — Köln: Anaphora Verlag, 2025. — 296 с.

ISBN 978-3-912210-01-9 (Print- друкована) – Amazon

ISBN 978-3-912210-03-3 (eBook-електронна) – Google Play

Німецька версія:

99 und 1: Das Gleichnis. Eine theologische Reflexion / Metropolit Wolodymyr (Chayka). – 1. Aufl. – Köln: Anaphora Verlag, 2025. – 296 S.

ISBN 978-3-912210-00-2 (Print-друкована) – Amazon
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Видавництво Анафора (Anaphora)

Das Gleichnis. Eine theologische Reflexion / Metropolit Volodymyr (Chayka). – 1. Aufl. – Köln: Anaphora Verlag, 2025. – 296 S. ISBN 978-3-912210-00-2 (Print) ISBN 978-3-912210-02-6 (eBook)

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