Weihnachtsbotschaft des Erzbischofs (Archiv)

Weihnachtsbotschaft an die Gläubigen der Ukrainischen Kiew-Orthodoxen Kirche in Deutschland.

WEIHNACHTSBOTSCHAFT DES KIRCHENLEITERS

Seine Eminenz Wolodymyr, Metropolitan Ukrainisch-orthodoxe Kirche Kiews in Deutschland und Europa den ehrwürdigen Erzpastoren, gottliebenden Pfarrern und allen Gläubigen

„Das Licht scheint in der Dunkelheit, und die Dunkelheit hat es nicht bedeckt.“ (Johannes 1:5)

Christus ist geboren! Lasst uns Ihn loben!

Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

In dieser heiligen Weihnachtsnacht fließen unsere Herzen erneut nach Bethlehem, in die stille Höhle, in der das größte Wunder in der Geschichte des Universums geschah: Gott wurde Mensch. Das Grenzenlose hat die Grenzen der Zeit erreicht. Der Schöpfer wurde Teil seiner Schöpfung, um uns zu heilen, wiederherzustellen und nach Hause zu bringen.

Dieses Weihnachten treffen wir uns wieder in der Dunkelheit des Krieges, der unser Vaterland bereits im vierten Jahr kreuzigt. Und in dieser Dunkelheit erhält das Licht des Sterns von Bethlehem für uns eine besondere, eindringliche Bedeutung. Es erinnert daran: Gott kommt nicht, wenn alles gut ist, sondern genau dann, wenn es am schwierigsten ist. Er wird nicht in der Sicherheit von Palästen geboren, sondern in Kälte und Gefahr und wird einer von uns, ein Flüchtling in dieser Welt.

Der Krieg offenbarte wie ein Lackmustest nicht nur die Stärke unseres Volkes, sondern auch eine tiefe Krise innerhalb des Christentums selbst. Mit Schmerz sehen wir, wie der Glaube, der vereinen sollte, zum Instrument der Spaltung wird. Wie Christen über „Kanonizität“ streiten und dabei die Liebe vergessen. Wie die Kirche, die als Krankenhaus für verwundete Seelen berufen ist, zur Arena menschlicher politischer Machtambitionen wird.

Und heute erklingen uns mehr denn je die Worte des Hohepriestergebets Christi: „Damit alle eins sind“ (Johannes 17:21). Diese Einheit ist keine politische Union, keine einheitliche Meinung. Das ist die Einheit des Herzens, die Einheit in Christus, die aus Demut entsteht. Es ist die Bereitschaft, die Wahrheit des Evangeliums über die eigenen Interessen zu stellen. Das ist die Art von Einheit, die die Ukraine heute braucht, um zu gewinnen.

In seinem Buch „Sprüche 99 und 1“, das aus dem Schmerz dieser Jahre entstand, versuchte ich, einen Weg zu dieser Einheit durch eine Rückkehr zum Bild Gottes als eines liebenden Vaters zu finden:

„Der Weg zum Paradies führt nicht über die Angst vor Strafe, sondern über das Herz des verlorenen Sohnes – ein Herz, das die Bitterkeit der Distanz gekannt hat, sich aber danach sehnt, zum Vater zurückzukehren.“

Diese Rückkehr beginnt bei jedem von uns. Deshalb fordere ich dieses Weihnachten auf:

Bischöfe - nicht um Verwalter zu sein, sondern um gute Hirten ihrer Herde.

Klerus - keine Vollstrecker von Ritualen, sondern lebendige Zeugen Christi zu sein.

Laie - keine passiven Beobachter zu sein, sondern Salz der Erde und Licht für die Welt.

Alles Ukrainer - um unsere Einheit als den größten Schatz zu schützen.

Wir wissen nicht, wann Frieden in unserem Land einkehren wird. Aber das wissen wir Gott des Friedens, Retter der Welt bereits geboren Das Licht Seines Weihnachtsfestes kann die Dunkelheit nicht physisch zerstören, aber es gibt uns die Kraft, nicht selbst zur Dunkelheit zu werden. Es gibt Hoffnung, die niemals stirbt.

Möge der neugeborene Christus in jede ukrainische Familie, jeden Graben, jedes verwundete Herz einziehen. Lassen Sie es wärmen, heilen und stärken. Möge er unsere Krieger des Lichts segnen. Und möge er unserer Ukraine den Sieg und einen gerechten Frieden schenken.

Mit dem erzpastoralen Segen
und ein väterliches Gebet für jeden von euch,

+ WOLODYMYR
Metropolit der Kiewer Kirche in Deutschland und Europa

P.S. Die Gedanken, die dieser Botschaft zugrunde lagen, werden in meinem neuen Buch „Sprüche 99 und 1“ ausführlicher dargelegt. Sie finden es hier:

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